Um die Sterne beim fotografieren Streifen ziehen zu lassen, sind Langzeitbelichtungen nötig. Im Grunde genommen bleibt die Kamera für einen längeren Zeitraum "offen", und durch die Erdrotation ziehen die Sterne durch den Himmel, und gleichzeitig über euren Film in der Kamera. Da der Vordergrund sich dabei meist nicht bewegt, entstehen diese mystischen Sternstreifen die wie Meteoriten aussehen können. Meiner Meinung nach ist die beste Lösung um dies zu bewirken, die traditionelle Filmkamera. Es ist auch mit verschiedenen Methoden mit Digitalkameras möglich, allerdings gebraucht dies oft entweder viel Nachbearbeitung, extra Programme oder die Verdoppelung der Belichtungszeit durch Kamera interne Rauschunterdrückung. Und eine Manuelle Filmkamera hat keine Batterie die sich entladen kann!

 

Langzeitbelichtungen der Sterne sind nicht jedermanns Sache. Bei Tage kann man oft mit einer Kamera alleine umher wandern und seine Shots einfangen. Sobald die goldene Stunde jedoch um ist, wird zumindest ein Stativ unentbehrlich. Und wenn das Motiv nicht gerade an einer Straße liegt, muss alles mitgeschleppt werden.

In diesem Artikel möchte ich erklären was Ihr gebrauchen könnt, und wie man zu einem gelungenen Bild in der Nacht kommt.

  • Zuerst sollte die zu fotografierende Stelle vorher besichtigt und möglichst fotografiert werden. Dies ist zwar nicht immer möglich, aber dieser Teil der Vorbereitung vereinfacht die spätere Arbeit in der Dunkelheit. Ideale Blickwinkel / Kameraplatzierungen sollten mit Stöcken oder ähnlich markiert werden.

  • Die Distanz zur nächsten größeren Stadt ist auch wichtig. Straßenbeleuchtung, Autos und andere Lichtquellen kreieren eine Lichtverschmutzung, die nicht zu unterschätzen ist. Diese manifestiert sich in orange bis roten Farben in Richtung der Stadt, und bei Neumond kann sogar der Ganze Himmel rot werden. Wenn es nicht anders geht, und die Stadt nah dran ist, empfehle ich um die Zeit des Halbmondes zu schießen. Dann ist das vom Mond reflektierte Sonnenlicht hell genug um kleinere Städte abdunkeln. (funktioniert natürlich schlecht vor Las Vegas)

  • Freundet euch mit den bekanntesten Sternkonstellationen an. Es ist wichtig zu wissen wie der Polarstern in der Nördlichen Hemisphäre, und das Südliche Kreuz in der Südlichen Hemisphäre zu orten ist. Denn um diese Punkte drehen sich alle anderen Sterne. Am Äquator ist dies weniger wichtig, da alle Sterne sowieso nur in eine Richtung wandern. (natürlich wandern die Sterne nicht, sondern es dreht sich die Erde). Nützliches hierzu findet Ihr hier.

  • Dann kommt die richtige Wahl an Film(en). Bei Nacht reagieren nur die wenigsten Filme vorhersehbar. Negativfilme machen weniger Probleme mit der Farbtreue, sind aber bei gelungenen Bildern leider nie so intensiv wie Diafilme. Der Diafilm wandelt gerne Farben in LSD Trips um, doch bei der richtigen Wahl von Filtern oder Filmtypen und viel Experimentieren ist dies beherrschbar. Meine persönliche Wahl bei Farbumkehrfilmen ist Kodak Portra 160VC, bei Diafilm Fuji Velvia für weniger vorhersehbare Ergebnisse, und Fuji Provia für Farbtreue. Ich benutze Selten S/W Filme in der Nacht, und mochte daher nichts falsches empfehlen. Ich kann mir aber vorstellen dass Kodak Tmax Filme ein guter Anfang sind. Letztendlich gilt : es gibt keine richtige Wahl, Ihr musst experimentieren.

  • Das Stativ ist hierbei natürlich nötig. Wichtig ist dass der Kopf dem Gewicht der Kamera angemessen ist. In der Regel sind Kugelkopfe nicht so gut. Bei 35mm ist dies aber unwichtig, da die Kameras nicht so schwer sind. Im Mittelformat allerdings, empfehle ich einen guten 3 Wege Neiger. ( mannfrotto etc... )

Langzeitbelichtungen bei Nacht - Wie ihr die Sterne tanzen lasst.

​Welche Belichtung benutze ich? Dies ist die goldene Frage. ​​

Um anzufangen empfehle ich bei Halbmond in die Dunkelheit zu wandern. Aus folgenden Gründen: Halbmond eliminiert viel Lichtverschmutzung am Himmelszelt. Halbmond beleuchtet den Vordergrund sehr gut. Halbmond ist schon sehr hell, und ihr könnt in relativ kurzer Zeit eine halbe Rolle 120 Film mit verschiedenen Einstellungen belichten, anhand derer ihr ein Paar Tage später erste Testergebnisse bewerten könnt. IMMER NOTIZEN MACHEN! ​Generell zählt hier: Bei Halbmond belichtet Ihr den Vordergrund/die Landschaft, die Belichtung der Sterne ist Nebensache und passiert fast automatisch wenn der Vordergrund belichtet ist. Probiert folgendes:

  • Shot 1:  Bei Iso 100 Velvia oder 160 Kodac Portra 15 min bei f5,6
  • 6 weitere shots mit jeweils +1 +2 +3 und -1 -2 -3 Belichtungsstufen (das heißt Zeiten verdoppeln oder halbieren pro Belichtungsstufe, oder Blende um einen Wert öffnen oder schließen)

Bei Neumond ist so wenig Restlicht im Himmel dass der Vordergrund mit hoher Wahrscheinlichkeit schwarz bleibt. Das heißt wir kümmern uns erstmal um die Sterne. In diesem Fall ist die Belichtungszeit für die Komplette Belichtung weniger relevant, und bestimmt allein die Lange der Sternstreifen, und erst ab sehr langen Belichtungen auch die Helligkeit des Himmels (ist abhängig vom Restlicht in der Atmosphäre). Mit der Blende steuert Ihr also die Belichtung der Sterne. Kleine Blendenöffnung=wenige Sterne, große Blendenöffnung=viele Sterne, allerdings können die hellsten Himmelskörper überstrahlen und ungewöhnlich Breite Streifen ziehen.

Wenn der Vordergrund wichtig ist, muss er manuell beleuchtet werden, entweder mit Taschenlampen oder Blitzen. Ich finde diese 10.000 Lumen Halogenstrahler sehr praktisch, allerdings strahlen die bei voller Ladung gerade mal 30 Minuten... Wichtig beim belichten mit Taschenlampen ist die Konstante Bewegung der Taschenlampe, um Ränder zu verhindern und eine Gleichmäßige Belichtung zu schaffen, ähnlich wie beim Einbrennen in der Dunkelkammer.

Weiteres solltet Ihr unter Umständen auch einpacken:

Taschenlampe - Natürlich soll die Taschenlampe euch den weg zum heiligen Bild erleuchten, aber sie kann noch viel mehr. Mit Ihr könnt Ihr teile des Vordergrunds aufhellen, sowie Lichtstreifen vor die Kamera ziehen wenn euch dies gefallt. Je nach Leuchtquelle wird die Farbe auch stark beeinflusst. Gelegentlich können die Scheinwerfer des eigenen Autos auch vorsichtig benutzt werden.

Auslösekabel - Zwar können eine Rolleiflex SL66, eine Hasselblad oder manche Großbildobjektive auf B auch ohne Kabel festgestellt werden, dass Risiko des Verwackelns am Anfang oder Ende der Belichtung besteht weiterhin. Also auslosekabel nicht vergessen. Vielleicht sogar eins extra falls das erste Kaputtgeht. Ist mir schon passiert.

Starwalk App - Solltet Ihr ein Smartphone, Ipad oder ähnlich besitzen, ist die Starwalk app ein toller Begleiter. Mit Ihr kann im voraus Mondphase, Sternplatzierung am Himmel und vieles mehr simuliert werden. Während der Belichtung mache ich mithilfe der App auch gerne Notizen über welche Sterne im Bild sind.

Notizbuch - Eure Lernkurve wird sich steigern wenn Ihr über alles Notizen habt. Mondphase, Distanz zur nächsten Großstadt, Filmtyp und Empfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit, gezielte Himmelsrichtung.

Das Richtige Objektiv - Ihr werdet schnell merken, um die perfekte Komposition aus Vordergrund und Himmelszelt zu erreichen, sind meist die weiten Objektive nötig. Keine Angst vor Fishaugen! Diese haben mehrere Vorteile: Erstens könnt ihr logischerweise schön viel ins Bild packen. Das schöne in meiner Meinung an Weitwinkelobjektiven ist aber auch, dass ich bei einer vergleichsweise großen Blendenöffnung (kleine f Zahl) näher an den Vordergrund (zB: Großer Stein) vorrücken kann, und gleichzeitig die Sterne auf Distanz ∞ noch Scharf stellen kann. Am besten besucht ihr vorher bei Tag den Spot und entscheidet für euch selbst.

Grundkenntnisse von Reziprozitätsfehlern - Das Reziprozitätsgesetz besagt , dass die Belichtungszeit in umgekehrter Relation mit der Belichtungsstärke steht, wenn alle anderen Belichtungsfaktoren gleich bleiben. Der Astronom Karl Schwarzschild jedoch besagt dass dies bei längeren Belichtungen nicht mehr der Fall ist. Und nicht nur er, die Filmhersteller geben in der Regel auch sehr gute angaben zum Reziprozitätsfehlverhalten ihrer Produkte, bzw. ausgleichsstufen. Nochmal anders erklärt: Filmmaterial reagiert auf Lichteinwirkung. Aber die Reaktionsfähigkeit ist keine lineare. Denn es muss erst eine gewisse "Menge an Licht" den Film erreicht haben, biss dieser anfängt zu reagieren. Und genau dieses Verhalten führt dazu, dass bei Nachtaufnahmen für eine gewisse Belichtung X , womöglich eher X + 1 oder X + 2 zur erwünschten Belichtung führt. Bei 2 Stunden Belichtung, kann es sein dass die ersten 10 Minuten der Film auf die dunkleren Stellen gar nicht reagiert. Für die kleinen Sternchen an sich gilt dies nicht. Mehr hierzu auf Wikipedia

Wärmepacks, eine Socke und Gummibänder - Was will der von mir? Die Temperatur der Objektive, speziell die schöneren aus Metall, sinkt schnell unter Lufttemperatur. Wenn dies geschehen ist, wird die Luftfeuchtigkeit an der Vorderlinse kondensieren. Solltet Ihr nicht gerade einen Fön parat haben, ist die nächstbeste Lösung, ein paar dieser Heatpacks dabei zu haben. Mit einem Knick werden sie aktiviert, und zu Hause könnt Ihr die in kochendem Wasser wiederaufladen. Mithilfe eine Socke und Gummibändern fixiert ihr diese um das Objektiv und das Kondensationsproblem ist weg.

Warme Klamotten - bei Belichtungszeiten von mehreren Stunden und wenig eigene Bewegung wird es sehr schnell kalt. Lange Unterhosen, dicke Socken etc...

Proviant - Versteht sich von selbst. Glühwein in einer Thermoskanne ist bei mir und meinen Foto-Freunden immer gern gesehen.

ND Filter - Sollte es noch nicht ganz so dunkel sein (zB: ein Isländischer Sommer), kann ein Graufilter hilfreich sein.

Begleitung - Es kann sehr langweilig werden wenn die Belichtungen über mehrere Stunden gehen.

Ein Zelt - ?

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